Fabric Street, japanischer Garten und Schrein

Tokyo, 24. Oktober 2019

Leider war das Wetter heute wieder bewölkt, aber immerhin trocken. Ich beschloss, einen Ausflug nach Nippori zu machen. Nippori liegt nördlich vom Zentrum Tokyos und ist eine Wohngegend. Interessant ist Nippori aufgrund der Fabric Street, eine Straße mit lauter Stoffgeschäften.

Ich fuhr mit der Yamanote Linie von Tokyo Station bis Nippori, wo es dann schon Wegweiser zur Fabric Street gab. Das war wirklich ein Mekka für Nähfans. Eines der Geschäfte, Tomato, hat gleich mehrere Läden in der Straße, und das Hauptgeschäft hat fünf Stockwerke.

Fabric Street in Nippori.

Was ich wirklich gebraucht hätte, waren dünnere Stricknadeln für mein Laceprojekt. Das war natürlich nicht zu finden. Aber Stoffe gab es ohne Ende, in allen Ausführungen und Farben.

Stoffe über Stoffe.
Sogar Eulenstoffe.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof kam ich an einer Telefonzelle vorbei. Sie sind mir schon mehrfach im Stadtgebiet aufgefallen. Ich bin nicht sicher, ob man in der Telefonzelle WIFI hat oder ob hier nur ein Plakat angebracht ist, dass man im Bezirk freies WIFI hat. Da ich einen Router mit mir herum trage, bin ich bisher nicht in die Bredouille gekommen.

WIFI – aber wo?

Nach diesem sehr interessanten Rundgang fuhr ich mit der Yamanote Linie weiter zur Station Komagome und lief von dort aus zum Rikugien Garten. In Japan sind Parks meist nicht das, was wir darunter verstehen. So war ich im Ueno Park ganz überrascht, dass die meisten Wege asphaltiert waren und er nicht die grüne Oase ist, die ich mir vorgestellt hatte. Ein Garten hingegen ist ein formell angelegter japanischer Garten, der gerade beim Platzmangel in Tokyo nicht riesig groß ist, aber mit so viel Überlegung und Ästhetik angelegt ist, dass er eben in Ruhe genossen werden sollte. So einer ist auch der Rikugien Garten.

Blick auf den See.

Er ist schon recht alt und stammt aus der Edo-Zeit. Er ist rund um einen See angelegt und wirklich sehr schön. Es gibt einen kleinen Berg, viele schöne Aussichtspunkte. Wenn sich das Laub dann bald verfärbt, wird es bestimmt eindrucksvoll aussehen.

Brücke.
Die Hochhäuser sind nie weit.

Als nächstes fuhr ich zur Station Ochanomizu und besuchte den Kanda-Myojin-Schrein.

Äußeres Tor.
Kanda-Myojin-Schrein.

Man kann sich ja fragen, ob ich nun nicht langsam genug Schreine besucht habe. Aber zum einen ist das ein sehr alter Schrein (über 1.000 Jahre alt) und ein besonders schön bunter Schrein.

Bunte Figuren am Eingangstor.

Und zum anderen kann man hier einen ganz besonderen Zauberspruch kaufen, nämlich den Zauberspruch für eine gut funktionierende IT. Und das kann man ja wohl dringend gebrauchen. Laut Reiseführer sollte der Spruch die Nummer 70 haben. Nummer 70 gab es aber nicht. Ich bin dann nach und nach wirklich fast alle Sprüche durchgegangen, bis ich ihn in Nummer 21 gefunden habe. Er hat schon leichte Ähnlichkeit mit einem Computer Motherboard, weswegen er mir überhaupt aufgefallen ist. Die Sprüche waren übrigens nicht chronologisch geordnet, sondern in thematischen Gruppen, und es gab auch nicht durchgehend alle Zahlen, weswegen die Sucherei so lange gedauert hat. Also löhnte ich 1.000 Yen für den Spruch und hoffe, dass es sich gelohnt hat.

IT-Charm. Hoffentlich hilft’s.

Anschließend lief ich vom Schrein zurück zur Tokyo Station

St. Nicholas Church.

Dabei kam ich an einer christlichen Kirche vorbei, das erste Mal überhaupt hier, soweit ich mich erinnern kann. Es ist die St. Nicholas Church, die aber an einem Hinweisschild als St. Nichoras Church bezeichnet wurde… Schließlich ging es zurück ins Hotel.

Nach dem Essenserlebnis gestern habe ich es mir heute betont einfach gemacht. Was bin ich für eine Kulturbanausin…

Instand- Ramen.

Es war ein etwas ruhigerer Tag, aber das musste auch mal sein. Reisen ist ja nicht nur hin und her rennen, sondern es ist schön, auch mal kleine Dinge zu erleben und zu entdecken.