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Ben Lomond

Queenstown, 21. November 2019 (Donnerstag)

Heute gab es ein sehr einfaches Programm: Rauf auf den Berg und wieder runter.

Nach einem späten Frühstück liefen wir vom Hotel los zur Gondola, die uns schon mal auf eine gewisse Höhe brachte. Im Cafe versorgten wir uns vorausschauend mit einem Lunch. Und dann ging es auch schon los.

Der Hausberg von Queenstown ist Ben Lomond, so benannnt von jemandem, der Heimweh nach Schottland hatte. Man kann natürlich auch ganz unten mit dem Bergsteigen anfangen. Aber selbst mit der Gondola bleibt noch genug Weg zum Laufen übrig.

Zunächst ging es durch einen Nadelwald von eingeschleppten europäischen Nadelbäumen. In Neuseeland versucht man mittlerweile, diese von den früheren Siedlern gepflanzten Bereiche einzudämmen. Solche Nadelbäume werden gezielt vergiftet, um Platz für die Bäume des einheimischen Waldes zu schaffen. Dies konnte man auch hier gut beobachten. Hinzu kommt, dass viele Menschen und Unternehmen in Queenstown eine Art Partnerschaft für einen bestimmten Bereich neben dem Wanderweg übernehmen und dort dafür sorgen, dass sich keine kleinen Fichten oder Kiefern ansiedeln. Die Bereiche sind mit kleinen Schildern der Verantwortlichen versehen. Die Baumgrenze liegt bei 800 Metern.

Zwischenziel war der Sattel auf 1.326 Metern Höhe. Dort suchten wir uns eine windgeschützte Ecke und aßen in Ruhe unseren Lunch.

Dann gingen die Unermüdlichen weiter bis zur Bergspitze auf 1.748 Metern Höhe. Dieser Abschnitt ist sehr steil und felsig, das Laufen wird einfach viel langsamer. Schließlich waren wir oben und wurden mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Oben lag an geschützten Ecken sogar noch ein wenig Schnee.

Nachdem wir die Aussicht ausreichend bewundert hatten, traten wir den Rückweg an. Wie immer, ist der Abstieg mindestens so anstrengend wie der Aufstieg.

Nach sechs Stunden waren wir zurück an der Gondola. Die Fahrt runter war besonders schön, weil die armen Füßen ein wenig Pause hatten. Von der Station war es ein kurzer Weg zum Hotel. Nach einer Dusche und ein wenig Ausruhen ging es zum Abendessen.

P.S.: Fotos werden nachgereicht.

Weiterhin Milford Sound und Rückkehr in die Zivilisation

Queenstown, 20. November 2019 (Mittwoch)

Wir verfolgten heute den ganzen Tag die Updates der Straßenbehörde mit großem Interesse.

7:30 Uhr. Immer noch Lawinengefahr. Nächstes Update um 09:30 Uhr.

Um 8 Uhr gab es Frühstück. Bevor wir Pläne für den Tag machten, wollten wir abwarten, was das nächste Update bringt und ob wir möglicherweise die Weiterfahrt starten konnten. Daraus wurde nichts.

9:30 Uhr: Immer noch Lawinengefahr, die Arbeiten dauern an. Nächstes Update um 12 Uhr.

Ich lief am Fluß entlang zum Cafe in Milford, in der Hoffnung, dass es heute geöffnet ist. EInfach nur, um ein Ziel zu haben. Unterwegs traf ich eine der beiden Schwestern, und so gingen wir den Weg zusammen und entdeckten die ersten Blüten des Weihnachtsbaumes der Südinsel.

12:00 Uhr: nichts neues, nächstes Update um 15 Uhr.

Es gab Lunch und dann eine weitere Bootstour auf dem Milford Sound. Dieses Mal führen wir mit einem weitaus kleineres Schiff, da die anderen keine Touren machten bzw. teilweise auch Treibstoffmangel herrschte. Als erstes machten wir wieder die Tour durch den Sound, die es im Prinzip ja schon am Tag davor gab. Aber bei anderem Wetter und Licht sieht der Sound jedes Mal anders aus. Und es gibt immer neue Dinge zu entdecken. Auch heute sahen wir Pinguine am Ufer, dieses Mal aber auch im Wasser.

Dann setzte uns das Schiff am Discovery Center ab. Dort bestiegen wir Kajaks, mit denen wir dann Harrison Cove erkundeten. Und da gab es eine Menge zu sehen: Baumlawinen, die Mündung eines Gletscherzuflusses, einen Strand, Pinguine, die umliegenden Berge. Unser Guide gab uns viele Infos zu allem, was wir sehen konnten. Die Sonne kam heraus, und so sahen wir die Umgebung auch mal im Licht. Das Kajak fahren ging viel besser, nachdem ich die richtige Technik kannte. Nach einer Weile ging es wieder zurück zum Discovery Center. Kurz bevor wir anlegten, sprang vor unserem Bug eine junge Robbe durchs Wasser. Sie tauchte ganz spielerisch eine Weile um unser Kajak herum und verschwand dann wieder. Das war ein tolles Erlebnis! Ich habe beim Kajak fahren die Kamera und das Handy im Trockenen gelassen, daher gibt es keine Fotos.

Anschließend ging es in den unteren Bereich des Discovery Centers, der ein umgedrehtes Aquarium ist. Hier sitzen wir drinnen, und die Fischen schauen rein. Das war sehr interessant. Da es draußen sonnig war, hatten wir viel Licht und konnten somit auch viel Leben im Wasser entdecken: viele Fische, Seeanemonem, Muscheln, Seegurken, Schnecken, Kleinstlebewesen und Wasserpflanzen. Die Fjorde verfügen über ein ganz besonderes Klima. Das Wasser ist sehr kalt durch die Gletscherzuflüsse und es ist relativ dunkel, weil die Felsen so hoch sind und die Sonne so selten scheint. Daher leben hier Pflanzen und Tiere, die man sonst in viel tieferen Wasserschichten findet.

15:00 Uhr: nichts neues, nächstes Update um 17 Uhr.

Das Boot brachte uns sicher wieder zurück in den Hafen, wo wir mit unserem treuen Bus Api abgeholt wurden und kurz in die Unterkunft zurück kehrten.

17:00 Uhr: Es gibt eine Straßenöffnung für einen Convoy um 18 Uhr

Mein Internet setzte kurz vor 17 Uhr aus. Aber ich brauchte die neuesten Nachrichten gar nicht abzurufen. Ich wusste auch so Bescheid, weil ganz plötzlich Leben in die ganze Lodge kam. Alles, was konnte, machte sich auf. In der Lodge blieb wohl nur ein einziger Gast. Auch wir packten in Windeseile alles ein und fuhren los. Am Startpunkt des Convoys warteten schon viele andere Fahrzeuge, ungefähr 50 vor uns und mit Sicherheit noch 20 nach uns. Milford muss nach der Abreise wirklich zu einer Art Geisterstadt geworden sein.

Nach 18 Uhr setzte sich der Convoy in mehreren Teilgruppen in Bewegung. Es fuhr jeweils ein offizielles Fahrzeug der Straßenbehörde voraus, welches das Tempo vorgab. So ging es dann durch die Lawinenzone bis zum Tunnel, durch diesen hindurch und ohne Anführer dann durch die Lawinenzone hinter dem Homer Tunnel. Wir sahen auf der Strecke viele Schneeabgänge, ob nun natürlich oder durch Sprengung herbei geführt ließ sich nicht sagen. Aber die Verzögerungen hatten schon ihren Grund.

Wir waren sehr froh, aus der Gefahrenzone herausgekommen zu sein. Hinter dem Convoy wurde die Straße wieder geschlossen, hinein durfte niemand.

So fuhren wir in zwei Stunden bis Te Anau. Eigentlich sollten wir hier übernachten. Aber unsere Unterkunft hatte nichts mehr frei, weil nun dort die Leute festsaßen, die in den Milford Sound hineinfahren wollten und nicht weiter kamen. Also erneute Planänderung.

Zunächst sahen wir uns schnellen Schrittes im Bird Sanctuary von Te Anau unter anderem den Takahe an. Der Takahe ist ein einheimischer, flugunfähiger Vogel Neuseelands, der als ausgestorben galt und der 1948 wieder entdeckt wurde. Insgesamt gibt es eine Population von etwa über 300 Vögeln, zwei davon leben im Bird Sanctuary. Der Takahe erfüllt die Rolle eines Gras fressenden Tieres, halt in Neuseeland in Form eines Vogels.

Dann ging es weiter nach Queenstown, wo es noch freie Hotelzimmer gab. Das bedeutete zweieinhalb weitere Stunden Fahrt. Wir machten das beste daraus, holten etwas zu Essen ab, legten Musik auf und ab ging’s. Wir freuten uns alle auf Queenstown und die Zivilisation. Dort kamen wir dann kurz nach 23 Uhr an. Um 23:30 Uhr lag ich müde, aber zufrieden im Bett. Was für ein Abenteuer-Urlaub!

P.S.: Fotos werden nachgereicht.

Milford Sound

Milford, 19. November 2019 (Dienstag)

Es regnete viel heute Nacht. Und als es hell wurde, zeigte sich noch mehr Schnee auf den Bergen. Es war sehr schön, mit dem Blick auf den Fluß und die Wasserfälle hier aufzuwachen.

Beim Frühstück gab es ein Update: Die Straße nach Te Anau bleibt heute noch den ganzen Tag gesperrt, wir kommen nicht wie geplant raus. Aber es gibt wirklich sehr viel schlimmere Orte und Quartiere, wo man festsitzen könnte. Also machen wir das Beste daraus.

Als erstes stand eine Fahrt auf dem Milford Sound auf dem Programm. Es war sehr schlechte Sicht, aber es hat sich doch gelohnt. Der Milford Sound ist kürzer als der Doubtful Sound und hat auch nicht so viele Seitenarme. Aber er ist auf seine eigene Weise wunderschön. Aufgrund des Regens gab es besonders viele spektakuläre Wasserfälle, mit und ohne Namen. Die Wasserfälle, die sich spontan bilden, haben nämlich keine offiziellen Namen. Da würde man ja nicht hinterher kommen. Jeder kann daher solche Wasserfälle benennen, wie er will, wovon ich ausgiebig Gebraucht machte. Wir sahen zwei Yellow Crested Penguins und auch einige Robben. Eine hatte besonders schöne Barthaare. Die Fahrt dauerte zwei Stunden und war sehr unterhaltsam. Trotz der schlechten Sicht hat es sich gelohnt und war in diesem Wetter wahrscheinlich ganz besonders stimmungsvoll.

Anschließend machten wir einen kleinen Spaziergang auf einem Weg am Strand mit vielen Erklärungsschildern. Danach sollte es eigentlich Lunch im Cafe geben, das aber trotz vorheriger Nachfrage geschlossen war, so dass wir doch wieder in unserer Unterkunft einkehrten.

Nach dem Lunch gab es die Option für eine Wanderung durch das Tutoko Valley. Obwohl es immer noch in Strömen regnete, hatte ich das Bedürfnis nach Bewegung. Der Wald, durch den wir schlidderten, war wunderschön. Nur eben das viele Wasser war dem vollständigen Genuss doch etwas hinderlich. Es war ein Weg, den man zurück gehen musste. Auf dem Rückweg hatten sich die Wasserlöcher dann schon erstaunlich weiter gefüllt. Ich kann jetzt gut verstehen, dass man in solchem Wetter zunehmend Probleme bei Flußüberquerungen bekommt.

Zurück in der Unterkunft breitete ich alles zum Trocknen aus, warf die Elektroheizung an und ging duschen.

In Milford gibt es Internet nur über Satellit (gegen ein kleines Entgelt). Der Strom wird von einem eigenen Wasserkraftwerk erzeugt. Das Dorf ist somit stromtechnisch autark. An Tagen wie diesem, an denen die Straße gesperrt ist, kommen keine Touristen hierher. Höchstens die Leute, die über den Milford Track kommen, stoßen dazu. Also wird es heute ein schlechtes Geschäft für die Schifffahrt hier im Milford Sound werden. Nach unserer Morgenrunde haben sie wahrscheinlich keine weiteren Fahrten mehr gemacht. Unsere Führerin erzählte, dass die Straße in dieser Saison bereits ein weiteres Mal gesperrt war, so dass sie mit den Gästen festsaß. In den Jahren zuvor sei das noch nie vorgekommen. Die Straße wird voraussichtlich morgen Nachmittag wieder frei gegeben. So hoffen wir mal, dass wir morgen weiter reisen können.

Der Milford Sound hat übrigens an der Seite der Tasmanischen See eine sehr enge Einfahrt, so dass Captain Cook in zwei Mal verpasst hat. Entdeckt wurde er erst 1823 von John Grono, einem Waliser, der dort vor einem Sturm Zuflucht fand und den Fjord nach seiner Heimatstadt, Milford Haven, benannte.

P.S.: Fotos werden nachgereicht.

Fiordland National Park

Milford, 18. November 2019 (Montag)

Das Schlafen in den Vierer-Kabinen war erstaunlich bequem, und nachdem alle anderen herunter kamen, kehrte allmählich auch Ruhe ein, obwohl wir noch nicht einmal Türen an den Kabinen hatten. Auch die Betten waren in Ordnung und die Decken schön warm.

Um 4 Uhr war ich wach, um 4:30 Uhr bin ich aufgestanden. Ich griff meinen Rucksack und machte mich im Waschraum fertig. Dann setzte ich mich mit Tee in den Salon und schrieb Tagebuch. Da es draußen noch dunkel war, hatte ich anschließend noch Zeit zu Stricken. Um 06:40 Uhr kam ein netter Mann hoch, der recht erstaunt war, schon jemanden wach vorzufinden. Wir unterhielten uns eine Weile über die Schönheit der Natur und das gestrige Kajak fahren.

Um 06:15 Uhr startete der Fiordland Navigator den Motor und los ging’s. Damit war es endgültig Zeit, an Deck zu gehen und den Morgen zu genießen. Es war sehr frisch, und auf den Bergen lag eine Menge Neuschnee. Das Licht war einfach wunderschön, die Mondsichel stand am Himmel. Die Bilder können das nicht leider nicht so richtig einfangen.

Ab 06:40 Uhr gab es kontinentales Frühstück (also alles, was ich brauchte) und ab 7 Uhr auch was gekochtes. Währenddessen erkundeten wir einen Arm des Doubtful Sound nach dem anderen. Die Felsen gehen senkrecht ins Wasser, so dass das Schiff erstaunlich nah an das Ufer heranfahren kann. Wir hörten Infos über Farne, sammelten Wasser aus einem Wasserfall in Trinkwasserqualität und suchten nach Delfinen. Immer, wenn man schon völlig durchgefroren war und zum Aufwärmen rein wollte, gab es wieder eine neue schöne Sicht um die nächste Ecke. Die Delfine fanden wir nicht, dafür aber noch einmal Pinguine.

Außerdem erforschten wir die Sounds of Silence. Dazu stellte der Kapitän nach Vorwarnung den Motor des Schiffes aus. Alle sollten sich ruhig verhalten, nicht bewegen, keine Fotos machen Kameras aus. Was dann nach und nach zum Vorschein kam, war sehr eindrucksvoll. Ich hörte den Wasserfall rauschen, ein paar Vogelstimmen, den Regen tropfen und überhaupt die Töne des Wassers und des Regenwaldes. Eine tolle Erfahrung.

Dann ging es zurück nach Deep Cove. Die Fahrt mit dem Fiordland Navigator war wunderschön. Es war so beeindruckend, den Doubtful Sound in diesem Wetter zu sehen, mit den reißenden Wasserfällen und in einem so entlegenen Winkel der Erde zu sein. Wir hatten viel Glück, die Pinguine zu treffen. Im Kajak mittendrin zu sein, war ebenfalls eine großartige Erfahrung. Am schönsten war der Morgen, langsam das Licht kommen zu sehen, den neuen Schnee, die Wolkenformationen.

Wir konnten erst nach einer halben Stunde anlegen und verstanden die Verzögerung zunächst nicht. In den Bussen stellte sich dann heraus, dass es natürlich auch auf dem Pass geschneit hat, den wir mit den Bussen passieren müssen. Die Straße musste geräumt werden, und die Busse hatten wohl zunächst auch Schneeketten. Und wirklich, oben lag erstaunlich viel Schnee. Das war insbesondere an den exotisch anmutenden Farnen ein besonderes Bild.

Nach dem Bus ging es wieder auf die kleine Fähre, über den Lake Manapouri zurück nach Manapouri.

Dort angekommen, holte unsere Führerin unseren Bus Api und die Wetter Updates. Schnell war klar, dass unsere für heute geplante dreistündige Wanderung leider verschoben werden muss. Es war schon 13 Uhr, die Fahrt nach Milford dauert zwei Stunden, und die Straße wurde ab 17 Uhr gesperrt. Da war keine Zeit mehr für eine so lange Wanderung, weil wir unbedingt vor der Sperrung hinter den Sperrpunkt kommen mussten.

Die Straße, die nach Milford führt, ist eine kleine, gewundene Straße mit einigen Brücken und einem Tunnel. Sie führt durch die Berge . Es gibt einen längeren Abschnitt, bei dem Lawinengefahr besteht. Die Behörden versuchen mittlerweile, die Straße das ganze Jahr lang offen zu halten, nicht zuletzt da mit den Fahrten im Milfold Sound viel Geld im Tourismusbereich verdient wird. Aber manchmal ist das eben wegen der Lawinengefahr nicht möglich. Da für heute Nacht ein Sturm mit viel Regen und dementsprechend Schnee erwartet wird, muss die Straße ab nachmittags geschlossen werden.

Wir fuhren zunächst nach Te Anau, wo wir in einem Cafe unseren Lunch abholten. Dann ging es Richtung Milford, mit vielen Stopps unterwegs, bei denen wir uns die Beine vertreten und ein paar Fotos machen konnten. Das war nett, aber eigentlich war mir nach dem Tag Schifffahrt nach mehr Bewegung. Aber gut, es läuft eben nicht alles wie geplant.

Auf einem Parkplatz sahen wir unsere ersten Keas. Keas sind die einzigen alpinen Papageien. Sie sind sehr neugierig und verspielt. Sehr gerne knabbern sie an Plastikteilen an Autos. Prompt biss einer der Keas ein ziemlich großes Stück Gummi aus der Türdichtung unseres armen Busses Api. Obwohl es überall Schilder gibt, dass man die Keas nicht füttern soll, konnten manche Leute dem natürlich nicht widerstehen. Die Kiwis sagen „A fed kea is a dead kea“, weil das Essen zum einen die Verdauung der Keas durcheinander bringt, zum anderen sie eben davon abhängig werden und verlernen, sie selbst Futter zu suchen.

Schließlich kamen wir in Milford an. Milford ist mini. Es gibt die Lodge für die Wanderer, ein paar Häuser für Arbeiter auf den Schiffen und am Flughafen, einen Campingplatz, ein Besucherzentrum, eine Tankstelle, die manchmal Treibstoff hat, und unsere Unterkunft. Wir waren in kleinen Chalets untergebracht, mit Blick auf den Fluss. Unheimlich schön.

Beim Briefing nach dem Abendessen sagte uns unsere Führerin, dass wir morgen möglicherweise nicht weiter kommen. Aufgrund des erwarteten Sturms sei derzeit noch unklar, ob die Straße morgen wieder eröffnet werden könne. Es müsse zunächst geprüft werden, ob Lawinengefahr bestehe und möglicherweise Maßnahmenwie kontrollierte Sprengungen erforderlich sind. Daher müssten wir das Update um 7:30 Uhr am nächsten Morgen abwarten. Wenn die Sperrung weiter besteht, kann auch niemand hierher kommen und dann können wir in den Chalets natürlich noch eine Nacht bleiben. Das entwickelt sich wirklich zu einem Abenteuer-Urlaub. Wir werden mal sehen. Hauptsache, wir können mal wieder wandern gehen.

P.S.: Fotos werden nachgereicht.

Von Queenstown in den Doubtful Soud

Doubtful Sound, 17.11.2019 (Sonntag)

Heute begann ein großes Abenteuer. Wir verließen Queenstown und wagten uns in eine Gegend vor, in der es weder Internet noch Handyempfang gab…

Von Queenstown aus fuhren wir nach Manapouri. Eigentlich liegen die beiden Orte per Luftlinie nicht sehr weit auseinander. Aber da die Berge dazwischen sind, muss man diese umfahren. Dadurch ist es aber auch landschaftlich eine sehr schöne Strecke. Auf den Gipfeln der Berge lag eine Menge Neuschnee, da es in der Nacht ordentlich geregnet bzw. geschneit hatte. Auch war die Temperatur merklich gesunken.

Nach ein paar Stopps kamen wir schließlich in Manapouri an, wo Lunchboxen mit Salat verteilt wurden. Wir warteten auf die kleine Fähre, die uns in 50 Minuten über den Lake Manapouri brachte. Der Kapitän erzählte sicherlich allerlei interessantes, was aber leider nicht zu verstehen war, weil eine jugendliche Schulklasse die Infos leider ignorierte und offenbar der Meinung war, dass das auch für sonst niemanden wissenswert wäre.

Auf der anderen Seite vom Lake Manapouri stiegen wir in zwei große Reisebusse und überquerten einen Pass. Die Straße führt nach Deep Cove am Doubtful Sound und ist von den Baukosten her eine der teuersten Straßen in Neuseeland. Sie hat keinerlei andere Anbindungen.

In Deep Cove bestiegen wir den Fiordland Navigator. Mit diesem erkundeten wir den Doubtful Sound.

Erstmal gab es eine Sicherheitseinweisung. Dann konnten wir in unsere Quartiere. Es gibt auf dem Schiff kleinere Kabinen, aber ich hatte kein Upgrade gebucht und so war ich dann zusammen mit drei anderen Leuten aus meiner Gruppe in einer Vierer-Kabine mit Doppelstockbetten. Die Kabinen sind klein, aber zweckmäßig eingerichtet, und ich durfte sogar oben schlafen.

Aber erstmal war an Schlafen noch gar nicht zu denken. Leinen los und auf in den Doubtful Sound. Die Sounds im National Park Fiordland sind eigentlich Fjorde. Und Fjorde schreibt man mit „j“, aber in Neuseeland gab es da einen Fehler, seitdem schreibt man „Fiord“ hier mit „i“. Manche Dinge können, wenn sie einmal in die Welt gesetzt worden sind, eben nicht mehr geändert werden.

Der Doubtful Sound ist sehr abgelegen und daher noch weitgehend naturbelassen und eindrucksvoll. Das Wetter war bewölkt und regnerisch, aber das trägt zur besonderen Stimmung dieser Landschaft noch bei. Die Felsen sind dicht bewaldet, obwohl es nur ganz wenig Erde gibt. Die Bäume wurzeln sich hauptsächlich oberflächlich in die Felsen ein. Bei Stürmen kommt es dann zu Baumlawinen, da die Bäume einfach nicht genug Standkraft haben. Die Wurzeln sind alle miteinander verwoben, so dass die Wurzeln der Nachbarbaumes mit herausgerissen werden, wenn einer umstürzt. Auf den Felsen siedeln sich außerdem überall Moos und Farne an. Es gibt in Neuseeland 200 Farnarten und unzählige Moosarten. Das trägt dazu bei, dass die Felsen und der Wald hier so grün aussehen. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist ideal für Moos, denn im Fiordland regnet es mindestens ca. 7 Meter im Jahr. Es vergeht kaum ein Tag ohne Regen.

Dann war es auch schon Zeit für die Nachmittagsaktivitäten. Wir hatten die Wahl, entweder mit einem Beiboot die Gegend zu erkunden oder mit dem Kajak. Ich habe lange überlegt und war hin und her gerissen. Auf dem Beiboot konnte man sicherlich gute Fotos machen und fürs Kajak sollte man eine gewisse Zuversichtlichkeit im Umgang mit Wasser haben. Ich und Wasser… Aber schließlich wollte ich doch mittendrin sein und Abenteuer erleben und entschied mich fürs Kajak. Das Einsteigen war sehr wackelig, und die ersten Ruderschläge unbeholfen. Nach einer Weile wurde es besser, aber schnell paddeln konnte ich irgendwie nicht. Also schnell paddeln vielleicht, aber nicht das Kajak schnell bewegen. Außerdem löffelte ich mir gut Wasser ins Kajak. Zum Glück hatte ich vorausschauend die Regenhose angezogen.

Es war aber nicht das schlechteste, dass ich hinten in der Gruppe war. Denn auf einmal hieß es rechts statt links, denn da stand auf einem Felsen ein Yellow Crested Penguin. Das war ein tolles Erlebnis. Mit den Kajaks waren wir dem Pinguin so nah. Er ließ sich von uns überhaupt nicht beeindrucken. Wir hatten großes Glück, ihn zu sehen, denn Mitte November verlassen die Pinguine auf ihrer Wanderung nach Futter die Südinsel und ziehen 6000 km weiter. Ganz schön rührig, diese kleinen Vögel. Es sind die dritt-seltensten Pinguine der Welt.

Wir paddelten weiter zu Wasserfällen und Felsen und zu einer Art schwimmendem Haus, wo einige Hummerkörbe lagerten, die für die Langusten-Fischerei benutzt werden. Offenbar kann dort ein Helikopter landen, der den Fang dann gleich weiter transportiert.

Das anschließende Schwimmen im Sound wurde gestrichen. Nicht, dass es mich danach so wirklich verlangt hätte.

Das Anlegen am Schiff und das Aussteigen aus dem Kajak waren dann noch einmal ein echtes Erlebnis. Oh Mann. Und zur Krönung erklärte oben im Salon unsere Führerin hinterher (!) die richtige Technik fürs Kajak fahren…

Dann gab es erstmal Suppe zum Aufwärmen, was eine wirklich gute Idee war. Weiter ging die Fahrt bis zur Mündung des Doubtful Sound in die Tasman Sea. Hier gab es viele Felsen, auf denen Seal Colonies waren. Wir konnten erstaunlich nah heran fahren und die Robben gut beobachten. Die Bullen lieferten sich Revierkämpfe, da die Weibchen kurz nach der Geburt der Baby-Robben wieder paarungsbereit sind.

Am Fuße der Felsen entdeckten wir noch weitere Yellow Crested Penguins, bestimmt insgesamt so zehn Stück. Einige kamen gerade vom Schwimmen zurück und watschelten mühsam zurück auf die Felsen. So ein Pinguin-Leben ist eben auch nicht einfach.

Wir erhaschten noch einen Blick auf die Küste an der Tasmanischen See. Der Seegang war relativ hoch, und so war ich froh als es wieder in den ruhigen Sound zurück ging. Schließlich gab es Abendessen und danach noch einen Vortrag über die Natur. Ich war, zusammen mit den Schwestern, aber viel zu müde und verabschiedete mich schon vorher in die Koje.

Der Doubtful Sound ist sehr beeindruckend und wunderschön. Diese Worte und die Bilder können ihn leider nicht wirklich einfangen. Es ist eine naturbelassene, uralte Landschaft, und man hat das Gefühl, als könnten gleich Dinosaurier auftauchen. Es ist sehr tröstlich, dass es diese Landschaften noch gibt und ich bin sehr dankbar, dass ich dort für eine kleine Weile sein durfte.

P.S.: Fotos werden nachgereicht.