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Sumburgh – ein letztes Mal

Am Sonntag war unsere Tour zu Ende und die Teilnehmer der Gruppe zerstreuten sich. Einige blieben noch für ein paar extra Tage, an diese Möglichkeit hatte ich bei der Buchung überhaupt nicht gedacht. Einige flogen wie ich Mittags zurück. Aber das war ja erst Mittags. Noch genug Zeit für einen Spaziergang zum Sumburgh Head im Morgengrauen und zum Jarlshof.

Um 5:30 Uhr stieg ich noch einmal hoch zum Sumburgh Head.

Sumburgh Head im Morgenlicht.

Ich bin direkt über die Straße gelaufen. Auf dem Küstenweg, auf den ich hinübersehen konnte, zeltete jemand. Und auf dem Parkplatz stand ein Caravan. Schöne Spots für eine Übernachtung

Sumburgh Head.

Trotz der frühen Stunde waren schon viele Seevögel wach, es war ja schließlich auch schon hell. Der simmer dim war zwar Ende Juli praktisch schon vorbei, aber dennoch war es viel früher und viel länger hell als zu Hause. Der simmer dim wirkt sich auf Menschen unterschiedlich aus. Viele können überhaupt nicht mehr schlafen und sind dann total durch. Ich konnte eigentlich gut schlafen, war dann aber früh wach und immer sehr energievoll. Aber es kann einen auch leicht verrückt machen.

Sumburgh Head.

Die Sonne stand jedenfalls noch nicht sehr hoch, als ich oben war.

Sumburgh Head.

Es war eine schöne ruhige Stimmung, und ich habe nur einen einzigen Menschen getroffen.

Es war realtiv windstill, was man auch am Meer gut sehen kann.

An den Klippen hinunter.

Nicht im Bild ist die Fähre aus Aberdeen, aber gesehen haben ich sie. Sie legt um 7 Uhr in Lerwick an.

Aussicht vom Sumburgh Head.

Das ist der Blick hinunter Richtung Hotel und Jarlshof.

Ausblick vom Sumburgh Head.

Und hier die Aussicht auf die Klippen, erstmal ohne Puffins. Ich habe dann später noch welche gesehen, aber nur an der Seite der Klippen, die schon von der Sonne beschienen wurden. Und leider waren sie zu weit weg, um wirklich gute Fotos von ihnen zu machen. Aber es war wunderbar, sie in Ruhe beobachten zu können, zumal sie sehr aktiv waren, davon flogen und wieder landeten.

Blick auf die Klippen.

Die Farben am frühen Morgen und das Licht waren einfach wunderbar.

Ausblick aufs Meer.

Möwen und andere Seevögel waren schon aktiv.

Betrieb an den Klippen.

Oben am Sumburgh Head befindet sich dieser Orca. So natürlich viel besser zu sehen, als wenn sie zu 98 % unter Wasser in drei Kilometern Entfernung sind. Dafür aber eben nicht das Original.

So sehen sie also aus.

Dann bekam ich langsam Frühstückshunger und verabschiedete mich vom Sumburgh Head.

Auf dem Rückweg.

Auf der Straße stieß ich auf diesen kleinen Gesellen.

Ein wilder Geselle an der Straße.

Und auch andere waren schon aktiv, wie dieses Kaninchen hier.

Kaninchen in Tarnung.

Klee, Disteln und das typische sind fast überall auf den Inseln zu finden.

Klee, Disteln und kurzes Gras.

Das Feld war gepflügt und die Möwen suchten nach Resten.

Möwen auf dem Feld.

Als ich kam, flogen sie auf. Was für ein Schwarm.

Möwenschwarm.

Nach dem Frühstück ging ich gestärkt hinüber zum Jarlshof. Da es unterschiedliche Aussagen zu den Öffnungszeiten gab, musste ich im Ergebnis doch noch eine Weile warten. Die Zeit vertrieb ich mir mit Fotos. Zum Beispiel von den Shetland Ponies.

Shetland Ponies.
Widerstandsfähig und windfest.

Da das Wetter heute viel besser war als beim letzten Mal, gab es auch noch mal ein Foto vom Wegweiser.

Wegweiser zum Küstenwanderweg.

Die Aussicht von Jarlshof ist großartig. Man kann verstehen, warum Menschen hier siedelten, auch wenn die Küste damals ganz anders ausgesehen hat als heute.

Ausblick vom Jarlshof.

Ein Blick zurück zum Hotel.

Sumburgh Hotel.

Dann konnte ich endlich den Jarlshof mit Audioguide in Ruhe besichtigen. Jarlshof diente in verschiedenen Epochen als Wohnstätte. Die Gebäude sind ineinander, aufeinander und nebeneinander gebaut, sehr faszinierend. Auch beim Ausgraben muss man sich entscheiden, was man zerstören und bewahren will. Die Ausgrabungen in Jalshof erfolgten schon vor längerer Zeit und wahrscheinlich würde man heute anders vorgehen. Interessant und sehenswert ist es aber auf alle Fälle.

Blick auf Jarlshof.

Los geht es mit den Überresten aus der Bronzezeit. Runde Wohnstätte, auch eine Schmiede dabei, die ein wenig an Hobbithäuser erinnern.

Aus der Bronzezeit.

Auch ein Broch, ein Komplex von Wheelhäusern und Behausungen von Pikten sind dabei.

Blick auf den Broch.
Wheelhouse.

Auch das Fundament eines Langhauses aus der Wikingerzeit ist dort zu finden. Das war natürlich besonders interessant, nachdem wir die Replik und die Ausgrabung in Unst gesehen hatten.

Langhaus aus der Wikingerzeit.
Blick über Jarlshof

Hier noch einmal ein schöner Blick in das Wheelhaus. Gut kann man die Speichen des Hauses erkennen.

Blick ins Wheelhaus.
Blick über die Ausgrabungsstätte und auf das mittelalterliche Bauernhaus im Vordergrund.

Am Schlusspunkt stand dann das Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert.

Blick aus dem Herrenhaus.
Die Behausungen aus der Bronzezeit.

Überall auf den Ruinen haben sich Flechten angesiedelt. In dem relativ trockenen Wetter, das wir in der Woche hatten, waren sie beim Anfassen ganz pieksig.

Flechten

Noch einmal ganz weit über das Meer schauen, bis zum Horizont.

Blick auf die Landzunge.
Übers Meer.

Und ein allerletztes Blick nach Sumburgh Head.

Sumburgh Head.

Dann war es Zeit, zum Hotel zurückzulaufen. Von dort brachte uns Abreisende der Hotelbus zum Flughafen. In Sumburgh Airport ist alles ganz klein und schnell, keine langen Wartezeiten. Mehrere Flüge hatten ihre Abflugzeiten gleichzeitig, obwohl es ja nur eine Start-/Landbahn gibt. Wahrscheinlich kann derjenige zuerst los, der fertig ist.

Von Sumburgh ging es erstmal nach Edinburgh, wo ich noch einen Nachmittag und eine Nacht verbrachte. Die Zeit reichte für einen Besuch in der National Gallery, einen Einkaufsbummel und Spaziergang. Erst am nächsten Vormittag ging es dann mit Verspätung nach Berlin zurück.

Das war eine wunderschöne, vollgepackte und erlebnisreiche Woche. Ich fand es sehr erholsam und war zufrieden, dass wir so gut betreut wurden und ich unsere guides den ganzen Tag lang mit all meinen Fragen löchern konnte. Shetland ist großartig, und es gibt noch so viel mehr zu sehen, dass ich bestimmt noch einmal wiederkommen werde.

Unst oder am Ende der Welt

Am Samstag erkundeten wir Unst.

Unst ist die nördlichste große Insel Shetlands und die nördlichste bewohnte Insel Großbritanniens. Sie ist dünn besiedelt und zählte ca. 600 Einwohner. Unst ist eher bergig und es gibt extra viele Schafe. Ansonsten gibt es das RSPB-Reserve Hermaness und einige Spuren der Wikinger. Und Unst ist die Hochburg der Shetland-Ponies; es gibt sogar „Achtung Ponies“ Schilder wie bei uns die Warnschilder vor Wildwechsel.

Wir waren zwar zwei Nächte in Unst, hatten aber bisher von der Insel wenig gesehen. Also brachen wir schon früh auf. Als erstes stand Hermaness auf dem Programm. Außerdem wurde unsere Gruppe heute erstmals (endlich!) zwischen Wanderern und Vogel-Beobachtern geteilt, was allen große Freude brachte. Die Wandergruppe machte sich beim Parkplatz für Hermaness dann auch sofort auf dem Bohlenweg hinauf auf die Klippen.

Blick vom Bohlenweg auf den Burrafirth.

Leider kann man bei Hermaness nicht mehr den Rundweg laufen, weil der nördliche Teil der Klippen teilweise abgebrochen ist, der Weg teilweise nicht mehr sicher ist. Der Rundweg muss erst mit neuen Bohlen-Abschnitten versehen werden, bevor Besucher ihn wieder nutzen können. Sehr schade. Aber wir waren auch damit zufrieden, hin und zurück ab den Klippen den gleichen Weg zu laufen.

Am Klippenrand angekommen, zeigte sich dieser wunderbare Blick:

Erster Blick auf die Klippen bei Hermaness

Erstaunlich, an welchen Stellen sich die Schafe immer noch wohl fühlen.

Klippenschafe.

Wir wandten uns nach Norden, um an die äußerste Spitze des Naturparks zu gelanden. Die Klippenlandschaft hier war erheblich bergiger als auf den anderen Inseln. Man musste auch aufpassen, wo der Weg ausgeschildert war, weil es zwischendrin zu steile Abschnitte gab. Das sah man von Ferne gar nicht so ohne weiteres.

Blick nach Norden.

Das Wetter war sehr gut, sonnig und warm, und wie immer windig. In Hermaness ist der Wind immer zu beachten, weil es einfach eine so wilde Gegend ist. Hier laufen Atlantik und Nordsee zusammen und sorgen für besonders stürmisches Wetter. Entweder kommt der Wind vom Land her, und dann muss man aufpassen, dass er einen nicht zu nah an den Klippenrand drückt. Oder aber der Wind kommt von der See her; das hat den Nachteil, dass man sich in den Wind lehnt. Wenn es dann eine kleine Windpause gibt, besteht genauso die Gefahr, dass man am Rand der Klippen stürzen könnte.

Vorgelagert sind einzelne Felsen wie dieser hier:

Vorgelagerter Felsen.

Das nächste Foto zeigt einen Blick zurück. Man sieht sehr gut, wie bergig es ist.

Blick zurück.

Wir liefen an der Küstenlinie weiter nach Norden.

Nach Norden.

Hermaness ist Vogelschutzgebiet und berühmt für seine riesigen Seevogel-Kolonien. Über 100.000 Seevögel sollen hier in der Brutsaison wohnen: gannets, bonxies, fulmars, gulls, shags, puffins und kittiwakes. Es herrscht ein unglaublicher Geräuschpegel, und auch der Geruchssinn ist nicht zu vernachlässigen. Wirklich ein wahres Fest für alle Sinne.

Auf dem nächsten Bild sieht man sehr gut, wie nah die Vögel aneinander nisten. Alles weiße sind Vogelkolonien. Im Herbst ziehen die Seevögel ab. Über den Winter werden die Felsen dann von den Wellen nach und nach wohl wieder dunkel gewaschen, so dass sich im Winter ein ganz anderes Bild ergibt.

Vogelkolonien.

Absolutes Highlight an der Nordspitze von Unst ist die vorgelagerte Insel Muckle Flugga mit dem Lighthouse. Das Lighthouse ist zwischenzeitlich automatisiert. Früher setzte der Leuchtturmwärter mit dem Boot über. Seine Familie lebte in einem Gebäude in Unst am Burrafirth und war daher etwas komfortabler untergebracht sowie nicht ganz so stark den Naturgewalten ausgesetzt. Was das für ein Leben gewesen sein muss. Für diesen Beruf musste man aber ganz besonders geeignet sein.

Das Lighthouse wurde übrigens von Thomas Stevenson in 1857/58 erbaut. Das war der Vater des Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Und die Karte des Buches „Treasure Island“ ähnelt ganz stark Unst, wo der Schriftsteller in 1869 zu Besuch war.

Muckle Flugga mit Lighthouse.

Wir stiegen hinauf zur alten Signalstation. Dieser Aufstieg war endlich wirklich fordernd, aber er lohnte sich sehr.

Hinauf zur Signalstation.

Von oben hat man einen noch schöneren Blick auf das Lighthouse.

Muckle Flugga.

Auf dem Hügel befand sich eine Signalstation. Inzwischen sieht man nur noch ein paar Überreste der Signalstation. Zur Jahrtausendwende wollte ein Paar von außerhalb in der Signalstation übernachten und das neue Jahrtausend dort an der Nordspitze begrüßen. Von ihrem Plan erzählten sie den Einheimischen. Die Leute aus Unst rieten dem Paar ab, da sich ein Sturm zusammen braue und es zu gefährlich in der Signalstation sei. Das Paar schlug die Warnung aus und fand, dass der Wind eher zurückgegangen sei, somit bestehe keine Gefahr. Das war aber ganz offenbar die Ruhe vor dem Sturm. In der Nacht erreichte der Wind eine erhebliche Kraft. Am nächsten Morgen war die Signalstation nicht mehr vorhanden – vom Wind davon geweht. Die Leichen der beiden fand man viel später an unterschiedlichen Orten der Klippen. Man vermutet, dass einer der beiden nachts die Tür der Signalstation geöffnet hat und dadurch dem Wind mehr Angriffsfläche bot oder sogar selbst einfach über die Klippen geweht wurde. Der andere Partner machte sich vielleicht auf die Suche, und wurde dann ebenfalls vom Wind über die Klippen getrieben. Eine sehr traurige Geschichte an diesem strahlenden Tag. Die Signalstation wird ja heute nicht mehr benötigt, und sie wurde daher auch nicht mehr aufgebaut.

Alte Signalstation.

Wir liefen dann den Hügel wieder hinunter und auf diese Landzunge, bis zum äußersten Ende.

Auf die Landzunge.

Da standen wir dann eine Weile, staunend und beeindruckt.

Das Ende der Welt.

In dieser Richtung kommt nach Norden kein weiteres Land mehr, bis zum Nordpol. Das Ende des Vereinigten Königreiches und somit irgendwie auch das Ende der Welt. In gewissem Sinne auch das Ende dieser Reise, denn weiter nördlich ging es nun nicht mehr.

Bis zum Nordpol kein Land mehr in Sicht.

Dann wandten wir uns um, zurück nach Süden, zurück zum Rest der Gruppe. WIeder vorbei an den Seevogelkolonien.

Nochmals Blick auf Seevögel.

Die Klippen wieder auf und ab.

Vorgelagerte Felsen.

Noch ein Blick zurück zum Lighhouse, inzwischen schon in der Ferne.

Noch ein Blick zurück.

Und dann zu den wirklichen Vogelkolonien.

Vögel in den Klippen.

Es ist einfach unglaublich, wie eng die Vögel hier nisten. Wie sie sich zurechtfinden und wie sie mit diesem Stresslevel umgehen. Viele Seevögel bleiben ihr Leben lang zusammen, ziehen aber getrennt nach Süden. Ich habe Martha gefragt, wie sie jemals ihren Partner in diesen Massen wieder finden. Offenbar bleiben sie auch ihrem Nistplatz treu, was schon mal hilft. Und die Vögel erkennen ihren Partner mit dem Geruchssinn, worauf man bei Vögeln ja nun nicht unbedingt gleich kommt.

Vögel über Vögel.

Wie sie es allerdings aushalten, so eng zusammen zu wohnen, wenn sie überhaupt einen Geruchssinn haben, ist mir schleierhaft. Vielleicht riechen sie auch selektiv.

Vogelnistplätze – gannets.

Da die Klippen so weit eingeschnitten sind, kann man sich wunderbar an den Rand einer Klippe setzen und den Vögeln auf der Klippe gegenüber zu schauen. Das ist natürlich ein echter Logenplatz.

Ausblick.

Dann gingen wir alle zusammen langsam wieder zurück zum Bohlenweg und über diesen zurück zum Parkplatz. Ein letztes Blick auf die Norspitze – ein wenig wehmütig.

Letzter Blick nach Norden.

Burrafirth wartet mit einem schönen Strand auf, der an diesem heißen Tag mit 21 °C gern genutzt wurde. Die Shetländer sagten, dass es der heißeste Tag seit zehn Jahren sei. Da es auch nur normal starken Wind gab, empfanden sie es auch gleich als schwül.

Burrafirth.

Wir teilten die Gruppe erneut, da die eine Hälfte gerne tea and cake wollte, während die andere Hälfte sich auf die Spuren der Wikinger machte, darunter auch ich. Wir hielten in Haroldswick und sahen uns die Rekonstruktion eines Wikinger-Langhauses an. Auf Unst sind an verschiedenen Orten Langhäuser ausgegraben worden. Auf Grundlage der Erkenntnisse, die man bei diesen Ausgrabungen gewonnen hat, entstand diese Replik.

Viking longhouse replica in Haroldswick.

Das Dach ist aus Holz konstruiert, das dann mit einer Begrünung abgedichtet wurde. Ich finde, es sieht sehr schön und gemütlich aus.

Gündach.

Auch wenn das Langhaus von außen klein und niedrig aussieht, ist es innen doch sehr hoch und geräumig. Es ist in die Erde hineingebaut, um den Elementen weniger Angriffsfläche zu bieten. Die Fenster sind klein, so bleibt es immer Sommer kühl und im Winter warm. Für die Holzkonstruktion mussten die Handwerker übrigens alte Traditionen wieder lernen und die Balken zum Beispiel so zusammenfügen, dass sie auch ohne Nägel halten.

Außen klein und innen groß.

Direkt neben dem Langhaus befindet sich ein Wikinger-Schiff, die Skidbladner. Dieses ist ein Nachbau des Gokstadt Schiffes, das in einer Grabstätte gefunden wurde.

Blick zum Bug.

Besonders schön waren die liebevollen Details am Steuerruder.

Übrigens haben Vögel das Langhaus als Niststätte auserkoren. Aus den kleinen Löchern auf dem nächsten Bild piepste es ganz aufgeregt.

Nist-Dach.

Ein letzter Blick auf die Bucht neben Langhaus und Schiff…

Blick auf die Bucht.

… und schon ging es weiter zu Ausgrabungsstätten bei Underhoull.

Blick auf die Bucht bei Underhoull.

Dort sind die Überreste eines Broch zu finden.

Broch of Underhoull.

Von dort gab es einen wunderbaren Blick auf die Küste – es hat mich da gleich schon wieder in meinen Wanderschuhen gejuckt.

Küstenaussicht.

Der Strand wirkte sehr einladend.

Ausblick auf den Strand.

Zum Glück war alles ausgeschildert, denn man musste dorthin über eine Schafsweide und über mehrere Zäune.

Danke für den Hinweis.

Ein paar Meter weiter wurde ein Langhaus ausgegraben.

Überreste eines Langhauses.

Ich bin froh, dass wir erst beim Nachbau waren. Da konnte man sich das ganze dann doch viel besser vorstellen.

Ein seltener Anblich in Shetland: ein Wegweiser.

Dann ging es schon zur Fähre, wo wir wieder mit dem Rest der Gruppe zusammen trafen.

Bye-bye, Unst.

Über den Bluemull-Sound ging es nach Yell. Bei der Fahrt über die Insel wurde es ganz still im Bus. Jeder hing seinen Gedanken nach, und ich will nicht ganz ausschließen, dass der eine oder andere eingenickt ist. Die ganze frische Luft… Von Yell brachte uns die Fähre wieder zurück nach Shetland Mainland.

Von Yell nach Shetland Mainland.
Zurück nach Shetland Mainland.

Und dann quer über die Insel zurück nach Sumburgh für ein letztes Abendessen und eine letzte Übernachtung.

Blick auf Sumburgh Head mit Shetland Ponies.

Aber noch sind nicht alle Abenteuer vorbei.

Fetlar

Am Freitag ging es schon früh los, denn wir mussten von Belmont die Fähre nach Fetlar bekommen. Fetlar hat die niedrigste Bevölkerungsdichte der shetländischen Inseln (ca. 60 Einwohner) und ist zu großen Teilen Vogelschutzgebiet. Es gibt keine ständige Polizei auf Fetlar. Ich denke, bei der geringen Einwohnerzahl löst man Probleme dann anders, da jeder jeden kennt. Trotz (oder vielleicht gerade aufgrund) der geringen Einwohnerzahl gibt es viele Gemeinschaftsaktivitäten und einen guten Zusammenhalt, was sogar wir bei unserem Tagesbesuch mitbekommen haben. Fetlar ist als der Garten von Shetland bekannt, der Boden ist fruchtbar und es gibt einfach viele besondere und seltene Tiere. Ende letzten Jahres ist auch wieder eine Schneeeule gesehen worden. Schneeeulen kam in den letzten Jahren leider nicht mehr, aber nun gibt es neue Hoffnung. Die hätte ich auch gerne gesehen!

Auf der Überfahrt sahen wir viele Vögel, aber leider keine Wale oder Delphine.

Überfahrt nach Fetlar

Hier sind bei näherem Hingucken auf dem nächsten Bild Bonxies oder auch great skua zu sehen (Große Raubmöwen). Durch die Tour habe ich alle Vogelnamen nur auf Englisch gelernt und muss nun immer nachsehen. Raubmöwen tauchen nicht gern selbst nach ihrer Nahrung, sondern jagen sie am liebsten anderen Seevögeln ab. Das konnten wir auch mehrmals beobachten.

Auf Fetlar angekommen fuhren wir auf der so ziemlich einzigen Straße bis nach Funzie, wo sie dann auch einfach an einem Farmhaus bei Everland endete. Die Wanderung heute ging von der Funzie Bay nach Strandburgh Ness und weiter zurück nach Everland.

Blick auf Funzie Bay.

Zunächst ging es an den modernen Farmhäuser über die Kuhweide an diesen verlassenen Farmhäusern vorbei. Was für ein Ausblick aus der Küche beim Abwaschen!

Verfallene Farbhäuser in der Funzie Bay.

In der Ferne war es leicht diesig, aber das machte uns gar nichts.

Funzie Bay.

Der weiße Sandstrand auf dem nächsten Foto heißt Sands of Paradise und ist angeblich der Ort, an dem die Wikinger als erstes in Shetland gelandet sind. Irgendwie habe ich das aber von mehreren Orten gehört…

Sands of Paradise.

Immer weiter ging es an der Küste entlang zur Landspitze Strandburgh Ness.

Aussicht auf die Bucht Wick of Gruting.

Die Farben waren aufgrund des sehr guten Wetters wieder wunderbar. Auf dem Wasser schwammen auch Massen von Puffins, die aber zu weiter weg zum Fotografieren waren.

Blick auf den Strandburgh Ness.

Unterwegs begegneten wir zwei Farmern, die auf der Suche nach ein paar Schafen waren. Sie hatten ihre Boarder Collies dabei. Die fanden es total lustig, eine Herde Zweibeiner vor sich zu haben und versuchten, auch diese in eine ordentliche Formation zu bringen.

Boarder Collie in Action.

Auch hier ist die Küste wieder sehr zerklüftet.

Da geht es steil runter.

Immer weiter zur Landzunge ging der Weg.

Immer weiter.

Die Steilküste bildet viele kleine Buchten, so hier Hesta Ness. „Ness“ bedeutet einfach Landzunge oder Headland.

Hesta Ness.

Langsam kamen wir der Spitze näher.

Strandburgh Ness.
Strandburgh Ness

Unterwegs konnten wir immer wieder Robben endecken, wie hier auf diesem vorgelagerten Felsen. Ich weiß, das Foto ist mehr ein Suchbild. Aber es war windig und die Klippen bröckelig, und ich wollte nicht unten bei den Seehunden landen.

Seehunde – wirklich.

Auf dem nächsten Bild sieht man sehr schön das ganz typische kurze kurze Gras auf den Shetland-Inseln. Durch den ständigen Wind bleibt es klein und bewegt sich permanent.

Aussicht aufs Meer.

Dann waren wir endlich kurz vor Strandburgh Ness. Auf diese Halbinsel kommt man nur über eine enge Stelle mit recht steilen Stellen links und rechts. Hin ging es gut, aber zurück konnte ich nicht so sehr nach den Seiten sehen.

Strandburgh Ness

Auf der Spitze angekommen, machten wir an dieser Stelle unsere Lunch-Pause. Was für eine Aussicht! Von hier aus entdeckte eine junge Frau aus unserer Gruppe sogar einen Schweinswal, der aber leider recht schnell abtauchte.

Vorgelagert ist ein weiterer Felsen, Outer Brough, auf dem sich früher eine Einsiedelei oder eine Wohnstätte befand. Es gab wohl eine kleine Hängebrücke, über die man dorthin gelangen konnte. Nun ist sie weg, und die Entfernung ist auch zu weit zum Rüber springen. Um so mehr freuen sich die Seevögel, dass sie ihre Ruhe haben.

Dann machen wir kehrt und gingen weiter im Uhrzeigersinn an der Küste, nun nach Süden.

Blick zurück auf die seeumtosten Klippen.

Diese Seite der Steilküste war womöglich noch eindrucksvoller, weil es hier keine relativ geschützte Bucht gab, sondern einfach nur die Nordsee.

Es gab viele kleine und große vorgelagerte Felsen, Bögen und Klippen.

Mit Bogen.

Ein kurzer Blick zurück lohnte immer.

Blick zurück.

Auf diese Landzunge konnte man nicht rauf, weil die Verbindung zu zerbröckelt und daher zu gefährlich war.

Wahrscheinlich Stacks of Scrambro.
Blick zurück auf die Steilküste.

Zwei Bilder in unterschiedlicher Vergrößerung. Es geht um den vorgelagerten Felsen in der Mitte des Bildes, der eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Sphinx oder einem Löwen hat.

Sphinx?

Ein seltener Anblick war dieses Segelboot.

Segelboot.

Und noch ein Blick zurück auf die tosenden Wellen.

Hohe Brandung.

Bei der Bucht Houlls Geo wandten wir uns schließlich landeinwärts.

Blick auf Ruinen und Nousta Ness.

Ein letzter Blick auf die Küste, dann ging es ins Innere der Insel Fetlar.

Houlls Geo.

Auf dem Rückweg über die Straße trafen wir diese neugierigen Gesellen.

Enten.

Und dies bestätigt meine Theorie, dass Bären überall zu finden sind.

Ein Yedi-Bär?

Von Everland ging es mit den Bussen nach Houbie, dem größten Dorf auf Fetlar. Dort gab es einen kleinen Shop mit Cafe und ein Interpretative Center. Die meisten wollten Tee und Kuchen, während zwei andere Frauen und ich noch mehr Bewegung wollten. Also teilten wir uns. Die einen kamen zu ihrem Tee und hatten dann noch das Glück, einen berühmten Sänger in seinem Garten zu treffen und von ihm mehrere Shetland Reels vorgefiddelt zu bekommen. Das war wohl ein ganz besonderes Highlight.

Wir hingegen machten uns auf den Weg zur Tresta Beach. Dabei trafen wir verschiedene Fetlar-Bewohner, wie dieses Schwein.

Schwein auf Fetlar.

Schließlich kamen wir am Strand an, und der war wirklich ganz besonders schön.

Tresta Beach.

Wir hielten unsere Füße respektive Finger ins Wasser und freuten uns über diese herrliche Aussicht.

Tresta Beach.

Dann wurden wir von den Bussen aufgegriffen. Mit der Fähre ging es zurück nach Unst. Ein weiterer schöner, sonnendurchfluteter Tag.

Yell

In der Nacht zu Donnerstag kam der Nebel. Mal wieder. Immerhin konnte ich den Briefkasten finden, um meine Postkarten einzuwerfen.

Briefkasten in Hillwick.

Im Nebel sah die Bucht sehr verwunschen aus.

Bucht im Nebel.

Der graue Schatten in der Mitte links im nächsten Bild ist nicht etwa ein Fettfleck, sondern ein Boot.

Nebelaussicht.

Die Feuchtigkeit hatte sich auch auf den Gräsern abgesetzt.

Funkelnde Gräser.

Ein Blick zurück auf Hillswick.

Hillswick im Nebel.

Dann wurde es schon ein wenig heller.

Die Sonne kämpft sich durch.

Und dann klarte es endlich auf.

Der Nebel lichtet sich.

Aber der Nebel sollte uns noch den Tag über begleiten.

Die Sonne kommt durch.

Diese Katze schien keinen sonderlich guten Morgen zu haben. Vielleicht konnte sie vor Nebel die Mäuse nicht sehen?

Nach dem Frühstück verließen wir das St. Magnus Bay Hotel in Hillwick und fuhren mit der Fähre von Toft nach Yell, nachdem wir in Brae noch hoffnungsvoll an Sonnencreme aufgestockt hatten.

Blick auf Shetland Mainland.

Die Fährfahrt dauerte so etwa 20 Minuten. Leider waren keine Wale oder Delphine in Sicht. Yell ist 212 qm groß, und es leben dort ca. 1000 Menschen, so auch unsere Guides Martha und Malcie.

Ein erster Blick auf Yell.

In Yell angekommen, wollten wir eigentlich zwei Wanderungen machen, die erste in Burravoe. Auf dem Weg dorthin war es erst diesig, dann neblig, dann wie „pea soup“ und dann konnte man die Hand vor Augen praktisch nicht mehr sehen. Unsere guides hielten eine kleine Zwiesprache. Daraufhin verwarfen sie den Plan mit Burravoe und fuhren an die entgegengesetzte Seite der Insel, in der Hoffnung, dass der Nebel dort nicht hinziehen würde. Und das war auch so, ein Glück.

Ich muss noch erwähnen, dass es an diesem Tag in Europa Rekordtemperaturen gab: In London 39°C, Berlin 35°C und in Bayern ein neuer absoluter Rekord mit über 40°C. Wir haben es also tatsächlich geschafft, den einzigen Nebel in ganz Europa zu finden. Das ist schon eine Leistung.

Statt an der südöstlichen Küste, steuerten wir die nordwestliche an und gingen in Gloup wandern, was auch sehr schön war. Es involvierte nur einiges an Hin und Her, bis wir endlich los konnten, denn diese Wanderung war keine Rundwanderung.

Kurz vor Gloup begrüßte uns dieser Geselle:

Löwe in Gloup.

IN Gloup kam es zu einer der größten Fischerei-Katastrophen in Shetland, die das Ende des Haaf-Fischens, also mit den großen Ruderbooten in der Tiefsee bedeutete. Am 20./21. Juli 1881 befanden sich die Fischer mit ihren Booten wieder auf dem Wasser, um Fische zu fangen im Rahmen des Haaf-Fischens, also mit Ruderbooten und Angelschnüren. Von Island her zog überraschend ein Sturm auf. In diesem Sturm gingen zehn der Boote verloren, 58 Fischer kamen nicht mehr nach Hause. Es hinterblieben 34 Witwen und 85 Kinder. Da 36 der gestorbenen Fischer aus Gloup kamen, wurde ihnen dort auch ein Denkmal errichtet.

Hier noch ein Bericht eines damiligen Augenzeugen, abgedruckt in der damaligen „Shetland News“:
A fleet of about 30 boats was at sea the night of the disaster, 26 from the north half of Yell, most of them from Gloup, with others from places such as Gutcher and as far south as Whalfirth (near Mid Yell.) There were a few among the number out from Unst and Feideland. The night was very fine, and we went off from the land about twenty miles, though it is difficult to recollect the distance after so long an interval of time.
„The storm struck us suddenly, and as soon as it struck we were in a fearful sea, and in darkness, in spite of it being the month of July. In our boat we held to our lines and did not leave our position till we had got all our lines on board. We then set sail and turned for home, sailing before the wind. In such a sea it was necessary to steer for each wave, veering away from side to side according to the precise direction from which the wave pursued us. Two men stood by the sail (a square sail) in order to handle it, both for the veering, and because, if a sea threatened to break over us, the skipper would make them lower the sail, thus easing the boat and allowing the wave to go past us before breaking.
„At last as the day broke (about 4 p.m.) we saw that we were nearing the land — it was then pouring with rain as well as exceedingly tempestuous, with dark overladen sky. The first hint we got of any disaster was a number of oars floating in the water, for we had seen no other boat during the night. As we approached the haven at Gloup Voe we saw an empty boat driving ashore, overturned on its side, mast and sail keeping it in that position. Then as we entered the Voe itself, we saw a great concourse of people — wives, sisters, parents, and some children — gathered on the shore with a great lamentation, and a boat manned by twelve men rowing towards us to get hold of the upturned boat. The people had come from miles around to view what they dreaded and expected, for the storm had broken suddenly in the midst of a fine night, and they knew their men were at sea. When we landed they asked if we had seen any other boats, but of course we said we had not.“

Viele der Überlebenden litten ihr Leben lang an Schuldgefühlen.

Das Denkmal bewahrt die Namen der verstorbenen und gibt Auskunft über das Unglück.

Vom Denkmal aus liefen wir zum Gloup Voe (=Bucht).

Gloup Voe.

Von dort aus sieht man gut Gloup Holme, die vorgelagerte Insel. Im Sturm war es wohl entscheidend, auf welcher Seite man diese Insel passierte.

Blick auf Gloup Holme.

Gloup Holme ist von Menschen unbewohnt, aber sicherlich von vielen Seevögeln.

Gloup Holme.

Wir gingen dann hoch auf die Klippen hinauf. Dort befand sich eine Station der Küstenwache, inzwischen nicht mehr besetzt.

Klippen.

Immer weiter ging es an den Klippen entlang. Ganz hinten auf dem nächsten Bild leuchtet ein Strand, der eines unserer Etappenziele war.

Küste in Nord-Yell.

Das besondere an diesen Felsen ist, dass sie glitzernde Streifen haben, „mica“ im Englischen. Soweit ich in Erfahrung gebracht habe, wird das als Glimmergruppe bezeichnet, die aus Mineralien, Schichtsilikaten besteht. Das klingt jetzt sehr trocken, war aber in natura sehr eindrucksvoll.

Klippen.

Wir liefen immer weiter und so langsam knurrte schon der Magen.

Mehr Klippen.

Die Küste wirkte wieder ganz eigen und anders als die Klippen auf Shetland Mainland.

Nord-Yell.

Endlich ging es etwas hinunter. Der weiße Pfosten im nächsten Bild zeigt übrigens an, dass es sich bei dem Weg um einen „Core Path“ handelt. Auf Shetland sind die Wanderwege nicht wirklich ausgeschildert. So ein Wegweiser wäre viel zu hoch für die Winterstürme, und man müsste ihn schon einbetonieren, und das wäre letztlich schade. Statt dessen gibt es diese kleinen weißen Pfosten, die zugleich zeigen, bis wohin man an die Klippen heran gehen soll, da manche Gesteinsformen besonders bröselig sind.

Core Path.

Es geht weiter hinunter und in Richtung Wasser.

Nord-Yell.

Und dann waren wir am Strand. Das ist der berühmte Strand, Breckon Sands. Dieser Strand hat viele Preise gewonnen und ist wirklich traumhaft schön. Und keineswegs überlaufen.

Breckon Sands.

Von nahem konnte man gut sehen, dass sich die Glitzerpartikel aus den Felsen auch im Sand wiederfinden. Ich habe noch nie so glitzernden Sand gesehen. Der Sand setzte sich auch überall fest, und es dauerte eine Weile, bis wir wieder ohne Glitzer waren.

Breckon Sands.

Hier machten wir erstmal Lunch-Pause. Einige von uns warfen ihre Schuhe ab und gingen mit den Füßen ins Wasser. Ich habe nur einen Finger in den fürchterlich kalten Atlantik gehalten. Das hat mir schon gereicht.

Lunch-Pause.

Dann ging es weiter am Strand entlang und wieder hinauf auf die Klippen. Das nächste Foto zeigt überwachsene Überreste von Wikinger-Häusern.

Wikinger-Ruinen.

Hier fanden auch Ausgrabungen statt. Unter den Ruinen aus der Wikingerzeit finden sich noch Relikte aus der Bronzezeit. Bei solchen Konglomeraten ist man aber immer im Zwiespalt, ob man sich auf die obere Schicht konzentrieren soll oder diese zerstören, um die älteren Schichten erforschen zu können.

Überreste aus der Wikinger-Zeit.

Hier hat man es bei den Wikinger-Überresten belassen.

Ein Blick zurück auf die Landzunge, die wir mangels Zeit nicht mehr erkundet haben.

Landzunge

Diese Baumruine musste ich einfach fotografieren, weil man so etwas auf Shetland nicht oft sieht.

Am Wegesrand.
Während unsere Guides die Busse holten, schauten wir uns noch an einem kleinen Friedhof um. Dort sah ich auch zwei Grabsteine für Fischer „off Gloup“.
Friedhof bei Breckon.

Beim anschließenden Toiletten-Stopp gab es wieder Otter-Alarm. Der Otter war aber sehr weit weg und tauchte lieber gleich unter.

Dann fuhren wir zurück nach Mid Yell, genauer nach Sellafirth, wi sich die Shetland Gallery und das Globalyell Textiles befindet. Dort wird gewebt und auch Shetland Tweed hergestellt. Leider war der Webstuhl gerade leer, als wir ankamen. Die Stoffe, die dort gewebt werden, sind meist schon auf dem Wegstuhl verkauft. Die Inspiration entstammt der Landschaft drumherum, den Farben und dem Wetter. Immerhin gab es noch ein älteres Werk zu bewundern.

Web-Kunstwerk

Dann war es dringend Zeit, wieder die Mini-Busse zu besteigen und nach Gutcher zu fahren, damit wir nach Unst übersetzen. Diese Fährfahrt war sehr kurz und dauerte nur fünf Minuten. Auf Unst wohnten wir im Saxa Vord in kleinen Häusern. Das ganze war im Prinzip nett angelegt, fiel jetzt aber langsam auseinander. Wie gut wir es doch mit unserem deutschen Standard in der Regel haben.

Ein sehr erlebnisreicher und interessanter Tag auf Yell, wo man sicherlich noch viel mehr entdecken könnte.

Eshaness, zwei Mal

Am Mittwoch sah das Wetter wunderbar aus. Noch vor dem Frühstück machte ich einen kleinen Rundgang durch Hillswick. Hillswick liegt im Nordwesten von Shetland Mainland und ist beschaulich. Außer dem Hotel gibt es einen kleinen Shop mit Post Office, Briefkasten und Tankstelle und eine wunderbare Aussicht.

Aussicht vom Hotel aus.

Das Wasser ist der Atlantik und nicht etwa irgendein Loch.

Blick auf den Atlantik.

In Hillswick gab es einige schöne Gärten und einen richtigen Gemüsegarten. Dies war das erste (und einzige) Hochbeet, das ich auf Shetland gesehen habe. Man bemerke, dass es hinter einer Mauer liegt und im Windschatten des Polytunnels. Ganz erstaunlich. Andernorts wurde das Gemüse hauptsächlich in Kuhlen angebaut, um es vor dem immer währenden Wind zu schützen.

Hochbeete in Hillswick.

Hier befindet sich das Hillswick Wildlife Sanctuary, das ich leider nicht besuchen konnte, weil wir stets außerhalb der Öffnungszeiten wieder im Ort waren. Aber zwei Damen aus unserer Gruppe, die wegen Krankheit nicht alle Wanderungen mitmachen konnten, waren dort und erzählten von den beiden Baby-Seehunden, die gerade aufgepäppelt werden. Sie werden Tag und Nacht alle paar Stunden gefüttert. Das ist ein full time job… Man kann übrigens im Wildlife Sanctuary im Sommer aushelfen, wenn man mal eine Zeit in Hillswick verbringen möchte.

Am Eingang zum Hillswick Wildlife Sanctuary.

Und wenn man den Ruf der Natur verspürt, kann man hier einkehren. Eine so verrückte öffentliche Toilette habe ich noch nicht gesehen.

Öffentliche Toilette.

Ich bin den Hügel von Hillswick empor gestiegen. Von oben sieht man von beiden Seiten das Meer, weil Hillswick auf einer Landenge liegt.

Beim Frühstück diskutierten wir die Wetterlage. Alle Wetterberichte stimmten darüber überein, dass es Mittags regnen sollte. Unterschiedlich war der Beginn der Schauer. Der Regen sollte aber zeitlich begrenzt sein. So beschlossen wir, die für den Tag geplante lange Wanderung in zwei Teile aufzuteilen und die Regenpause entweder in einem Cafe oder im Hotel zu verbringen.

Wir fuhren zum Eshaness Lighthouse. Das ist ein weiterer Leuchtturm von David Alan Stevenson, der insgesamt 26 Leuchttürme in Schottland designed und gebaut hat. Ich finde die deutsche Übersetzung „Leuchttum“ nicht ganz passend, denn wie man gut sieht, geht es nicht nur um den Turm, wie oft bei deutschen Leuchttümen, sondern auch um das Haus drum herum. „Leuchthaus“ trifft es daher wirklich mehr. Die Stevensons waren eine ganze Familie von Leuchtturm-Architekten. Übrigens war David Alan der Cousin von Robert Louis Stevenson, dem Autor. Darauf komme ich am Ende der Reisebeschreibung noch einmal zurück.

Eshaness Lighthouse.

Eshaness besteht aus Vulkangestein. Vor 350 bis 400 Millionen Jahren lag Shetland in der Nähe des Äquators im Inneren des Superkontinents. Die heutigen Klippen sind ein Ausschnitt der Flanke des damaligen Vulkans.

Auf der Schulter eines ehemaligen Vulkans.

Die Klippen sind sehr eindrucksvoll und äußerst zerklüftet, weil sich an ihnen die nordatlantischen Stürme austoben.

Blick entlang der Küste von Eshaness.

Landeinwärts gesehen gibt es mehrere Lochs.

Blick auf ein Loch.

Wir wanderten an der Küste entlang über mehrere Stiles.

Eshaness.
… immer weiter…

Teilweise sind die Klippen sehr stark zerklüftet und sogar kleine Wasserfälle gibt es.

Wasserfall an den Klippen.

Diesen Bildern kann ich gar nicht mehr viel hinzufügen, sie sprechen für sich.

weiter voran…
Schwarze Klippen.
Von den Wellen geformt.
Vulkanklippen.

Man sieht, wie hoch die Wellen an dieser Stelle schon bei ruhigem Wetter sind. Die Klippen sind ca. 30 Meter hoch. Im Winter spült das Meer bei starken Stürmen über den Klippenrand hinweg.

Wilde Wellen.

Ungefähr hier irgendwo muss es wohl gewesen sein. Auf einmal sahen wir eine längliche Sillouette, die sich über das Gras hinweg in Richtung Klippen bewegte und zwar relativ schnell. Ein Otter! Und was für ein stattliches Exemplar. Das alles passierte natürlich so schnell und in solcher Entfernung, dass an Fotos leider nicht zu denken war.

Hier gibt es Otter.
Auf dem Weg.

Das nächste Bild zeigt die Überreste einer herzhaften Krebsmahlzeit eines Seevogels oder vielleicht auch des Otters.

Mahlzeit!

Wir liefen bis zum Grind of the Navir. Das ist eine Art natürliches Amphitheater, in welchem sich die Stürme besonders extrem austoben. Man kann dort hinabsteigen, worauf ich aber verzichtet habe, da ich ein ganz klein wenig unter Höhenangst leide. Wer sich dafür interessiert, kann einfach mal „Grind of the Navir“ bei YouTube eingeben und sich ein paar Sturmvideos ansehen. Sehr eindrucksvoll. Nicht nur die Bilder, sondern auch die Leute, die das gefilmt haben.

In der Nähe vom Grind of the Navir.

Das nächste Foto zeigt eine der Stellen, an denen sich die Landschaft in absehbarer Zeit verändern wird. Unten hat das Wasser schon einen Weg durch den Felsen gefunden.

Kleine Bucht.

Beim Loch of Houlland vorbei ging es dann wieder zurück zum Leuchtturm.

Loch of Houlland.

Wir stoppten erst noch in dem wunderbaren Braewick Cafe, aber dort fielen dann schon die ersten tropfen. So zogen wir uns ins Hotel zurück und machten dort Pause.

Regen.

Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei und wir fuhren wieder nach Eshaness. Dieses Mal parkten wir weiter unten an der Straße, kurz vor dem Abzweig zum Lighthouse. Wir liefen hinunter zu den Überresten der Stenness Fishing Station. Dies war eine von mehreren Stationen, bei denen die Shetländer das „Haaf Fishing“ betrieben. Hierzu fuhren sie mit offenen Booten mit sechs Rudern bis zu 40 Meilen aufs offene Meer hinaus, um Fisch mit Leinen zu fangen, also nicht mit Netzen. Diese Touren dauerten zwei bis drei Tage. Auf einem offenen Boot, möchte ich nur noch einmal wiederholen. In den Fishing Stations wurde der Fisch dann verarbeitet. Die Stationen wurden den ganzen Sommer über betrieben. Dann wurden die Dächer von den Häusern wieder entfernt, da diese im Winter angesichts der Stürme eh nur Schaden nehmen würden. Und ich habe auch gehört, dass es eine Dachsteuer gab. Ich konnte das aber bisher nicht verifizieren. Der gefangene Fisch wurde mit Salz haltbar gemacht oder getrocknet.

Stenness Fishing Station.
Blick auf Stenness Beach.
Ruine der Fishing Station.

Ein Stück von der Küste entfernt befindet sich Dore Holm, eine vorgelagerte Insel mit einem natürlichen Gesteinsbogen, den man hier nicht gut erkennen kann, da der Winkel dafür nicht richtig ist. Der Durchlass ist am rechten Rand der Insel in dem Foto unten. Aufgrund der Form wird die Insel auch „The Drinking Horse“ genannt.

The Drinking Horse

Wir liefen nun an der Küste nach Norden entlang.

Auf nach Norden.

Das Wetter war wieder erheblich besser und das Licht zauberhaft.

Im Gegenlicht.

Überall auf Shetland gibt es Hinweise auf die Fischerei, wie auch hier mit diesem angespülten Hummerkorb.

Auch diese Klippen waren sehr beeindruckend. Hier befindet sich eine Besonderheit, The Cannon. Dort wird Wasser durch Gänge im Felsen wie eine Kanonenkugel aus einer Kanone gedrückt. Bei YouTube gibt es hierzu Videos, die das veranschaulichen.

Küste mit The Cannon.

Und wie immer fehlen die Schafe nicht.

Mutiges Schaf.

Noch ein letzter Blick auf die Klippen,

Letzter Blick.

dann geht es wieder hoch zum Eshaness Lighthouse. Dann nur noch die Straße zurück zu den Mini-Vans.

Eshaness Lighthouse.

Und zur besseren Übersicht noch eine Karte.

Überblick.

Zurück in Hillswick bin ich noch in den kleinen Shop gegangen und habe dort eine Packung leckerer Croft Cookies und ein paar Postkarten gekauft. Immerhin gibt es dort alle wichtigen Dinge, wie Milch und Brot und die Bedienung ist sehr freundlich.

Zum Nachtisch gab es etwas mit Rhabarber. Ich war ein wenig erstaunt darüber, dass so spät im Jahr, Mitte/Ende Juli, noch Rhabarber verarbeitet wird. Martha erklärte mir aber, dass Rhabarber zum einen das einzige Fruchtartige ist, was auf Shetland überhaupt gedeiht. Alles andere, wie Erdbeeren, Johannisbeeren und so weiter können sich in dem Klima nicht behaupten. Zudem sei der Rhabarber hier aufgrund der Kühle wirklich erst viel später erntereif, so dass es kein Problem sei, ihn jetzt noch zu verarbeiten. Und wirklich habe ich in den kommenden Tagen noch in einigen Gärten und neben den Ruinen von früheren Wohnhäusern Rhabarberpflanzen gesehen.